Vilnius

(uspr. russ. Вильна / Wilna)

FAKTEN

Hauptstadt von Litauen (südlichste und größte Republik der drei Baltenstaaten)
Einwohner: 3.596.620 (Litauen gesamt, 2005), 542.400 (Vilnius, 2005) [Anmerkung: 2001 zählte Wilna 542.287 Einwohner. Davon machten Litauer 57,8 % aus, Polen 18,7 %, Russen 14 %, Weißrussen 4 %, Juden 0,5 %, Vertreter anderer Nationalitäten 5%]
Fläche: 65.300 km²
Bevölkerung: 81,4% Litauer, 8,3% Russen, 7% Polen, 1,5% Weißrussen,1% Ukrainer (2001).
Bevölkerungsdichte: 55 pro qkm
Religion: überwiegend römisch-katholisch, protestantische, jüdische und muslimische Minderheiten sowie Angehörige der russisch-orthodoxen Glaubensrichtung
Währung: Litauischer Litas (LTL): 1 Litauische Litas = 0.28962 Euro (1 Euro = 3.45280 Litauische Litas), Stand: 27.09.2005
Amtssprache: Litauisch (es gibt eine große Anzahl von Dialekten, wie Aukstaiciai, Zemaiciai, Suvalkieciai und Dzukai. Polnisch, Belorussisch sowie teilweise auch Englisch und Deutsch werden ebenfalls gesprochen)
Fremdsprachen: Das Interesse an der deutschen Sprache ist rückläufig: 12% aller litauischen Schüler lernen Deutsch als erste Fremdsprache, 16% als 2. Fremdsprache; Englisch dominiert als 1. Fremdsprache (85%), Russisch als 2. Fremdsprache (73%)
Landesnatur: eiszeitlich geformtes, teilweise hügeliges Land bis zu 293 m hoch, rund 4000 Seen, zahlreiche Moore, lichte Wälder und Sanddünen an der Flachküste; größter Fluss Litauens ist die Memel, die mit einem Delta ins Kurische Haff der Ostsee mündet
Verkehr: Der Flughafen mit Direktverbindungen zu 18 Städten liegt weniger als eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt. Linienbusse verkehren zu Zielen in 7 Ländern. Außerdem: Eisenbahn, Fernbus, Straßen, ÖPNV (Omnibusse, Trolleybusse, S-Bahn)
Ortszeit: MEZ + 1. Letzter Sonntag im März bis letzter Sonntag im Oktober: MEZ + 2 (Sommerzeit in Litauen = Standardzeit MEZ (Winterzeit in Mitteleuropa) + 2 Std.).
Differenz zu Mitteleuropa beträgt im Sommer und im Winter jeweils +1:00 Std
Besonderheiten:
- katholischer Erzbischofssitz
- fächerartige Struktur des Straßennetzes vom Burgberg aus
- wenig metropolitan wirkende Stadt mit viel Grün
- „Rom des Ostens“ mit seinen Kirchen und Klöstern
- „Jerusalem des Ostens“ im 16. Jh., da Vilnius zum wichtigsten Zentrum jüdischer Kultur in Nordeuorpa wurde

GESCHICHTE
Schlagwörter: wechselhafte Geschichte

1323 erste urkundliche Erwähnung in einem Brief Gediminas’ (seitdem Hauptstadt Litauens)

1522 Vollendung der 3 km langen Stadtmauer

1579 Universitätsstadt (Universität „Alma academia et universitas Vilnensis societatis JESU“ entstanden
aus dem 1570 von den Jesuiten gegründeten Kollegium)

1783-1801 Bau der heutigen Kathedrale

16./17. Jh. Vilnius erlebt als Hauptstadt Litauens die Blütezeit der Renaissance (es werden Opern aufgeführt, zahlreiche Orchester begleiteten litauische Delegationen und versetzten die Völker Westeuropas in Erstaunen; die internationalen Beziehungen nehmen rasch an Reichweite zu und es entstand, dank gewisser Ähnlichkeiten zwischen der lateinischen und der litauischen Sprache, eine litauische Literatur auf Latein)

19 Jh. Vilnius hält seine Stellung als wahre Heimstatt von Wissenschaft und Kultur in Osteuropa

16.2.1918 Unabhängigkeitserklärung Litauens

1920-39 Annexion durch Polen und wirtschaftliche Diskriminierung der Juden

03.08.1940 Beitritt in die UdSSR

1941-44 deutsche Besetzung, Mord an 200000 litauischen Juden

1949 Abriss der ältesten Synagoge Wilnas

1990 Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit

17.09.1991 Litauen wird UNO-Mitglied

1994 Altstadt von Vilnius in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen

15.10.2003 Litauen ist in das Welterbekomitee der UNESCO gewählt worden (in Litauen gab es bislang mit der Altstadt von Wilna und der Kurischen Nehrung zwei Stätten des Weltkultur bzw. –Naturerbes; mit der Aufnahme der ersten litauischen Hauptstadt Kernave ist 2004 eine dritte hinzugekommen)

01.05.2005 Beitritt EU

SEHENSWÜRDIGKEITEN
Vilnius überrascht den Besucher mit einer Vielzahl prächtiger barocker Kirchen und Gebäude; Klöster und Kirchen bestimmen das Stadtbild; heute teilweise prächtig restauriert (trotz langen und hartnäckigen Widerstands gegen die Christianisierung)

1. „Arkikatedra bazilika“: die strahlend weiße, klassizistische römisch-katholische Kathedrale Sankt Stanislaus mit dem etwas abseits und frei stehenden 57 m hohen Glockenturm (Wahrzeichen) und dorischen Säulen vor dem Eingang (18. Jh.) ist das beherrschende Bauwerk auf dem weiten Kathedralenplatz; in unmittelbarer Nähe beginnt der schnurgerade Gedimino-Prospekt (eine der wichtigsten Geschäftsstraßen)

2. Ruine der Burg von Gediminas auf gleichnamigem Hügel aus dem 14. und 15. Jh. (Wahrzeichen)

3. „Gediminas-Turm“ (Gedimino kalnas): im achteckigen Turm, einem Rest der Oberen Burg aus dem 14. Jh., befindet sich ein kleines Museum zur Geschichte der Burg (außerdem schöner Blick auf die Altstadt)

4. Fernsehturm (326 m hoch, in 190 m Höhe Aussichtsplattform)

5. „Gotischer Winkel“: die spätgotische St. Annen-Kirche (Šv. Onos baznycia) und die benachbarte Bernhardinerkirche (Bernadinu baznycia) bilden am Rande der Altstadt ein sehenswertes Enseble. Besonders imposant: die Westfront von St. Annen mit filigraner Backsteinornamentik

6. Bernhardiner-Kirche, gotisches Gebäude

7. barocke Universitätsanlage mit der Johannes-Kirche (Šv. Jono)

8. barocke St. Kazimir-Kirche (Šv. Kazimiero), welche dem Nationalheiligen geweiht ist

9. „Tor der Morgenröte“ (Aušros vartai = Osttor): einziges erhalten gebliebenes Tor der Stadtmauer mit kleiner Wallfahrtskapelle, die wegen eines wundertätigen Marienbildes aus dem 16. Jh. ein vielbesuchtes Pilgerziel ist

10. Das alte Rathaus (wurde wie die Kathedrale zuletzt in klassizistischem Stil umgebaut)

KULTUR
Litauen besitzt ausgeprägte Stärken auf kultureller Ebene – die Musik (vor allem Oper, Klavier und Cello), Grafik, Fotografie, Theater und Lyrik, und – in der Verbindung von Kunst und Wissenschaft – die Semiotik. Die litauische Kultur ist geprägt von der Kunst des Augenblicks und des Rituals: Form und Ritual als lebendige Großform sind wichtig in Litauens Theaterleben und in der Komposition. Die metaphorische, fast kryptische Sprache bevorzugt Lyrik als Ausdrucksform; während der Augenblick als Kunst- und Ideenform im Zentrum von Semiotik, Fotografie und geritzter Grafik steht.

Kunst
Romantisch und kleinstädtisch verträumt präsentiert sich das am rechten Ufer des Flüsschens Vilnele gelegene Stadtviertel Užupis (zu deutsch: Hinter dem Fluss), das seit Anfang der Neunziger vom unbeachteten Winkel zu einem Künstlerviertel (in unmittelbarer Nähe der Kunstakademie “Dailės akademija”) wurde und nunmehr auch eine exquisite Adresse darstellt

Literatur
Die litauische Literatur ist reich an Märchen und Volksliedern (Dainos), letztere wurden jedoch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Volksliedsammlungen veröffentlicht. Hier ragen besonders die Raudos (Totenlieder) hervor. Das erste gedruckte belletristische Werk in litauischer Sprache ist das um 1750 entstandene Epos “Metai” (deutsch “Jahreszeiten” 1818) des Pfarrers K. Duonelaitis, das heute noch als Nationaldichtung der Litauer gilt. Die litauische Literatur ist eine Literatur der erzwungenen Unterbrechungen und der Suche nach nationaler Identität. Bis 1904 herrschte das Verbot der russischen Regierung, Bücher in litauischer Sprache drucken zu lassen. Nur wenige Autoren des 19. Jahrhunderts, wie etwa der romantische Lyriker J. Maironis, fanden daher Verbreitung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang der Anschluss an die europäische Moderne; besonders in der Lyrik wurde der Symbolismus aufgegriffen. In der Prosa finden sich neoromantische Strömungen oder zeitkritischer Realismus. Nach der Annexion Litauens durch die Sowjetunion 1940, der deutschen Besetzung 1941 und der Gründung der Sowjetrepublik Litauen 1944 flüchteten zahlreiche Schriftsteller in den Westen, wo eine breite Exilliteratur entstand, die Themen der nationalen Vergangenheit mit Tendenzen der modernen westlichen oder amerikanischen Literatur verband. Als wichtige Vetreter der litauischen Gegenwartsliteratur gelten der in die USA emigrierte Lyriker T. Venclova oder der Lyriker und Dramatiker Justinas Marcinkevi-ius, der Litauen auf dem Weg in die Unabhängigkeit literarisch begleitet hat.

Film + Musik
Das Kulturministerium der Republik Litauen ist zuständig für die Gestaltung und Umsetzung der staatlichen Kulturpolitik in den Bereichen Kunst (auch Laienkunst), Theater, Musik, Film, Museen, Bibliotheken, Veröffentlichungen, Urheber- und verwandte Rechte, Schutz des kulturellen Erbes.
Der Auftrag des Kulturministeriums lautet, die Rahmenbedingungen für Kontinuität, Weiterentwicklung und Verbreitung der nationalen Kultur sowie für den freien öffentlichen Zugang zu kulturellem Tun und Ausdruck durch verschiedene kulturelle Formen zu schaffen, die geistigen und materiellen Werte gesellschaftlicher Gruppen und nationaler Gemeinschaften zu fördern und auf diese Weise zum Aufbau einer demokratischen, freien und offenen Gesellschaft beizutragen (siehe: http://europa.eu.int/comm/culture/portal/sites/members/lituania_de.htm).

Fotografie
Tradition und Umbruch sind wichtige Aspekte der litauischen Fotografie. Vor der Unabhängigkeit des Landes 1990 war die litauische Fotografie außerhalb der ehemaligen Ostblockstaaten kaum bekannt. Ausnahmen waren Fotografen wie Vitas Luckus, Aleksandras Macijauskas, Romualdas Rakauskas oder Antanas Sutkus. Heute stellt die elektronische Bildersprache eine treibende Kraft für Kreation und Kommunikation im Werk vieler neuer Fotokünstler dar, nicht nur technisch sondern auch konzeptionell. Die Darstellung des öffentlichen und des privaten Raums werden häufig in Foto-Video-Performance-Projekten kombiniert.

UNIVERSITÄT
Jesuiten bauten nicht nur Kirchen, sie gründen 1579 auch die Universität von Vilnius (das Universitätsviertel mit seinen italienisch inspirierten Innenhöfen, der imposanten St. Johanneskirche mit ihrem Glockenturm und den prachtvoll gestalteten Innnenräumen des Oberservatoriums und der Bibliothek stellt ein einmaliges architektonisches Ensemble dar)

WIRTSCHAFT
- 2003: mit einem Anstieg von 9,0 % das höchste Wirtschaftswachstum in den drei baltischen Staaten
- 2004: 6,7% Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eine der höchsten Steigerungsraten in Europa
- dennoch: durchschnittlicher Lebensstandard in Litauen bei ca. 42% des EU-Durchschnitts

Auf dem der Altstadt und dem Zentrum (Bebauung rund um den zentralen Gediminas-Prospekt ab der Jahrhundertwende) gegenüber gelegenen Ufer der Neris haben sich in den letzten Jahren die ersten Ansätze für ein modernes Büro- und Geschäftsviertel gebildet, mit dem Wilna zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Touristen werden will.
In der heutigen Zeit hat die freie Marktwirtschaft einen grundlegenden Wandel der Anforderungen herbeigeführt; die hergestellten Produkte müssen auf dem Markt konkurrenzfähig sein und den Erwartungen der Konsumenten entsprechen. Die Mehrzahl der Unternehmen hat ihre Produktionsmethoden und -techniken oder ihr Management umstrukturieren müssen. Eine Reihe vielversprechender Projekte zur Erneuerung und Erweiterung von Produktionsmengen, Produktvielfalt und Exportmöglichkeiten wird bereits umgesetzt. Es hat sich jedoch als schwierig erwiesen, die zur Sanierung und Erneuerung der Produktionsprozesse in den Fabriken selbst erforderlichen enormen Finanzmittel zu beschaffen. Aus diesem Grunde sind ausländische Investitionen höchst willkommen, wobei allen Arten von Joint Ventures eine besondere Bedeutung zukommt.
Die Industrie, die sich vor allem in Vilnius und Kaunas konzentriert, umfasst die Nahrungsmittel-, Textil-, Metall-, elektrotechnische, chemische und Baustoffindustrie sowie den Maschinen- und Schiffbau. Litauen ist arm an Bodenschätzen (Torf, Bernstein, Baustoffe). Für die Energieversorgung ist das Kernkraftwerk in Ignalina von großer Bedeutung. Industrieunternehmen mit gut ausgebildeter Belegschaft. Qualifizierte Facharbeiter produzieren Investitionsgüter von hoher Qualität und Präzision, die mit wenig Arbeitskraft und Rohstoffen auskommen: metallverarbeitende Werkzeugmaschinen, Rechner- und Computersysteme, elektrotechnische und elektronische Geräte, Dieselmotoren, Kraftstoffpumpen und -leitsysteme um nur einige zu nennen.
Dennoch spielt die Landwirtschaft noch immer eine bedeutende Rolle: die wichtigsten Anbauprodukte sind Getreide, Zuckerrüben, Flachs, Kartoffeln und Gemüse. Außerdem sind die Milch- und Fleischerzeugung sowie der Fischfang von großer Bedeutung.
Das Verkehrsnetz ist relativ gut ausgebaut. Bedeutendster Seehafen ist Klaipeda, die Hauptstadt Vilnius verfügt über einen internationalen Flughafen.

Of course I took some photos in Riga and Vilnius, here is the first one of Vilnius:

Vilnius is Europe…

Melanie

Europe in Riga