Budapest
Sozialistisches Disneyland - Ungarns Park der Erinnerung
Die Rolle der Sowjetunion und damit der Russen in Ungarn wird quer durch die politischen Lager heute ziemlich eindeutig bewertet.
Von Michael Frank
Im Herbst 2006 hat Ungarn der blutigen Niederschlagung des Aufstands von 1956 durch sowjetische Truppen gedacht. Die Erinnerung an die traumatischen Ereignisse wurde in Budapest von heftigen Unruhen begleitet, wobei auch das Ehrenmal der Roten Armee im Zentrum Budapests demoliert wurde. Als eines der letzten Denkmale aus totalitärer Sowjetzeit erinnert es an die Befreiung Ungarns 1945 vom Faschismus, von der deutschen Besatzungsmacht also, aber auch vom eigenen Regime der ungarischen Pfeilkreuzler. Eine Rotte versoffener, eher unpolitischer Radaubrüder, so stellte sich schließlich heraus, hatte das Denkmal attackiert. Dezidiert antirussischer Protest stand nicht dahinter. Das Ehrenmal - etwa nach baltischem Beispiel - heute noch abzubauen, daran denkt kaum jemand. Eine matte Debatte darüber versiegte schnell wieder.
Die Rolle der Sowjetunion und damit der Russen in Ungarn wird quer durch die politischen Lager heute ziemlich eindeutig bewertet: Befreier 1945, Unterdrücker unter Stalin, blutrünstige Mörder 1956, dann aber, aufgrund der listigen Politik des Budapester KP-Chefs Janos Kadar, duldsame Herren, die Ungarn eine eher liberale Entwicklung im Inneren gestatteten, solange es sich nach außen sklavisch an die Regeln und Verpflichtungen des Ostblocks hielt.
Es gibt zwar 17 anerkannte ethnische Minderheiten im Lande, doch Russen zählen nicht dazu; sie sind kein Thema im heutigen Ungarn. Auch nach der Wende - die ungarischen Kommunisten waren am Ende derart aufgeklärt, dass sie sich selbst wegreformierten - fand man in Budapest zu einem recht entspannten Umgang mit den Insignien des alten Regimes und der Hegemonialmacht Sowjetunion: Am Südwestrand der Stadt wurden Ehrenmale und Denkmäler in einem ,,Skulpturenpark‘‘ zusammengefasst, einer Art musealem Lager für Erinnerungen an den Totalitarismus.
Dieses düstere sozialistische Disneyland dient zwei Gruppen: Es ist Geschichtsmuseum und Gruselkabinett für Demokraten, nostalgische Pilgerstätte für die Verehrer des alten Regimes. Diese können hier sogar Musik, Reden und Insignien als Devotionalien erwerben. Das Denkmal der Roten Armee wird hier aber wohl vorerst nicht landen.
(SZ vom 09.05.2007)
Ungarischer Präsident ehrt Weltraumtouristen Simonyi - April 2007
Der fünfte Weltraumtourist, der US-Milliardär Charles Simonyi, ist in seinem Geburtsland Ungarn geehrt worden. Präsident Laszlo Solyom verlieh ihm in Budapest das Große Kreuz, eine der höchsten Auszeichnungen der ungarischen Republik. Der Staatschef zeichnete Simonyi, der im April zwei Wochen im All verbracht hatte, dafür aus, “zur Steigerung des internationalen Ansehens Ungarns beigetragen” zu haben. Er dankte dem Informatiker insbesondere dafür, mehrmals auf seiner Reise ungarisch gesprochen und seine Verbindung zu seinem Heimatland betont zu haben.
Simonyi, zeigte sich “gerührt” durch die Ehrung und das Interesse Ungarns an seiner Reise und seiner Karriere. Er überreichte Solyom eine ungarische Flagge, die er mit zur Internationalen Raumstation genommen hatte. Das Rote Kreuz organisierte ein Treffen mit Kindern, denen Simonyi von seiner außergewöhnlichen Reise erzählte. Mit dem Besuch in Ungarn wollte er nach eigenen Angaben vor allem für die Wissenschaft werben.
(AFP)
http://de.news.yahoo.com/21042007/286/wissenschaft-weltraumtourist-simonyi-kehrt-wohlbehalten-erde-ck.html
Gegen Piresen! – März 2007
Wachsende Fremdenfeindlichkeit in Ungarn
Laut einer Umfrage des ungarischen Meinungsforschungsinstitutes Tárki lehnt die Mehrheit der Ungarn die Einwanderung von Arabern, Chinesen, Russen, Rumänen und Piresen ab. Piresen? Keiner der Befragten bezweifelte die Existenz dieses Volkes. Sogar um 9% ist die Piresenfeindlichkeit zwischen der ersten Umfrage im Juni 2006 und der zweiten im Februar 2007 auf 68% gestiegen.
Das Volk der Piresen wurde von Tárki erfunden, um die Gefühle der Ungarn gegenüber Ausländern mit denen gegenüber einer fiktiven Ethnie vergleichen zu können. Gleichzeitig beweisen die Piresen-Gegner die Irrationalität von Fremdenfeindlichkeit und die Relevanz der Konstruktion des Fremden für eine Nation.
Im linksliberalen Wochenblatt Elet és Irodalom schreibt Gusztáv Megyesi: “Überraschenderweise werden die Piresen ausgerechnet von Linken und den wohlhabenden Bewohnern Westungarns gehasst. Sie hassen die Piresen in erster Linie, weil sie keinen einzigen Piresen kennen. Persönliche Begegnungen würden ihnen vielleicht helfen, Vorurteile abzubauen. […] Wieso ist es noch keinem Politiker eingefallen, seine Karriere auf der Rettung unseres Landes vor den Piresen zu bauen? ‘Ich habe alle Piresen abschieben lassen, ich bin die Hoffnung des ungarischen Volkes, ich will an die Macht’, könnte derjenige rufen. Und seine politischen Gegner könnten keinen einzigen Piresen als Widerlegung vorweisen.”
Seit der sogenannten Lügenrede des Premiers Ferenc Gyurcsány ist die politische Situation sehr angespannt. Im Herbst 2006 fanden zahlreiche Demonstrationen statt, die auf Grund der Gewaltbereitschaft Rechtsextremer eskalierten. Am 15. März, dem ungarischen Nationalfeiertag, zeugten Randalen von dem tiefen Riss, der die Ungarn spaltet. Bei einer Kundgebung der rechtsextremen Partei MIEP trat der Holocaust-Leugner David Irving auf, der zuvor in Österreich auf Grund seiner Äußerungen eine Gefängnisstrafe verbüßte.
Im Frühjahr 2007 weist der Human Rights Report unter anderem auf die wachsende Fremdenfeindlichkeit in Ungarn hin. Auf Grund der politischen Unzufriedenheit der Ungarn bleibt die Ausländerfeindlichkeit nicht auf ein Milieu beschränkt, sondern weitet sich auf andere Schichten der Gesellschaft aus. Die Süddeutsche Zeitung schreibt hierzu: „Das Institut Tárki hat indes das Lächerlich-machen als Waffe gegen Extremismen entdeckt. Dies verdient Nachahmung.“
Quellen:
Süddeutsche Zeitung vom 16. März 2007, S. 11
http://www.taz.de/pt/2007/03/17/a0165.1/text
http://www.zeit.de/online/2006/43/Budapest-Krawalle
href=”http://www.pesterlloyd.net/Archiv/2007_13/0713irving/0713irving.html”>http://www.pesterlloyd.net/Archiv/2007_13/0713irving/0713irving.html
http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/4733820.stm
Erfolgreiche Van Gogh Ausstellung in Budapest - Februar 2007
Anlässlich seines 100. Geburtstages macht das Budapester Museum der Schönen Künste mit einer großen Ausstellung Vincent van Goghs auf sich aufmerksam. Von über 40 internationalen Sammlungen hat sich das Museum der Schönen Künste Werke des Holländers geliehen. Die Meisterwerke, unter anderem aus Amsterdam (Van Gogh Museum), Paris (Musée D´Orsay), New York (Metropolitan Museum) und Washington (National Gallery of Art), ziehen zahlreiche Besucher an. Ergänzt werden die Leihgaben durch Zeichnungen und Grafiken aus dem Besitz des Budapester Museums und privater ungarischer Sammler. Neben bekannten und unbekannten Werken van Goghs zeigt die Ausstellung die Arbeiten von Künstlern, die für dessen Entwicklung eine bedeutende Rolle gespielt haben, darunter Delacroix, Rembrandt, Millet und Daubigny. Darüber hinaus wird die Wirkung des holländischen Meisters auf die ungarische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts unter anderem an Künstlern wie Mihály Munkácsy, László Paál, János Nagy Balogh, Tivadar Csontváry Kosztka, József Rippl-Rónai sowie Gyula Derkovics und Gyula Czimra gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 20. März 2007 geöffnet.
Mehr Infos unter www.szepmuveszeti.hu
Magyar Films – Januar 2007
Fünf ungarische Filme in Biarritz, eine Oscar-Nominierung für den Animations-Kurzfilm Maestro von Géza M. Tóth, drei ungarische Filme bei der Berlinale und Péter Nagy wird von der European Film Promotion auf den internationalen Filmfestspielen in Berlin als Shooting Star 2007 gekürt.
Vom 30. Januar bis zum 6. Februar 2007 findet in Budapest die 38. Ungarische Filmwoche statt. Die internationale Jury unter der Leitung von Ulrich Gregor, Filmkritiker und Mitbegründer der Freunde der deutschen Kinemathek, vergibt unter den 95 teilnehmenden Filmen Preise. Die Filme werden im Mammut Multiplex und im Millennium Center gezeigt und die Filmschau mit Pál Sándors Noah’s Ark eröffnet. Eine Ausstellung über den berühmten Regisseur Zoltán Fábri läuft parallel in der Nationalgalerie und wird am 30. Januar durch die Schauspielerin Mari Törőcsik eröffnet. Wie üblich wird bei der Abschlussveranstaltung auch der Gene Moskowitz-Preis der ausländischen Kritik für den besten Spielfilm verliehen. Insgesamt werden 220 Filme außer Konkurrenz gezeigt: 17 Spielfilme, 11 Fernsehfilme, 96 Dokumentarfilme, 51 Kurzfilme, 15 Filme des Duna Workshops sowie einige Studentenfilme.
Liste der Spielfilme der 38. Ungarischen Filmwoche:
Dolina (Zoltán Kamondi)
The Eighth Day of the Week / A hét nyolcadik napja (Judit Elek)
The Emigré - Everything is Different / Az Emigráns - Minden másképp van (Györgyi Szalai & István Dárday)
Fragment / Töredék (Gyula Maár)
Lads of Budakeszi / Budakeszi srácok (Pál Erdőss)
Happy New Life / Boldog új élet (Árpád Bogdán)
Iska’s Journey / Iszka utazása (Csaba Bollók)
Konyec / Konyec – Az utolsó csekk a pohárban (Gábor Rohonyi)
Kythera (Péter Mészáros)
Lora (Gábor Herendi)
Men in the Nude / Férfiakt (Károly Esztergályos)
Mansfeld (Andor Szilágyi)
Miscalculation / Emelet (János Vecsernyés)
Opium / Ópium (János Szász)
Railroad Junkies / Hasutasok (András Szőke)
Slow Mirror / Lassú tükör (Igor & Ivan Buharov)
S.O.S. Love! / S.O.S. Szerelem (Tamás Sas)
Unter http://www.youtube.com/watch?v=-1WWtbhyVlE könnt ihr Maestro von Géza M. Tóth sehen.
Mehr Infos zur 38. Magyar Filmszemle und zum ungarischen Film unter http://www.filmunio.hu
250 Roma beantragen in Malmö politisches Asyl
Ungarn macht Roma das Hoffen schwer
Aufregung in Malmö: Etwa 250 Roma aus dem südungarischen Komitat Baranya sind in die schwedische Stadt eingereist, 210 haben politisches Asyl beantragt. Über den unmittelbaren Hintergrund der Wanderung gibt es nur Gerüchte. Die gesellschaftlichen Probleme aber, die sie ausgelöst hat, sind alt. Die Ankömmlinge in der südschwedischen Hafenstadt sind unberaten und haben so gut wie keine Chance. EU-Bürgern wird kein politisches Asyl gewährt. Die schwedische Botschaft in Budapest hat erklärt, EU-Bürger dürften sich maximal drei Monate für die Arbeitssuche in Schweden aufhalten, vorausgesetzt, dass sie für ihren Unterhalt selbst sorgen können. Angesichts der neuartigen Situation erwäge die schwedische Regierung Änderungen an den Einwanderungsbestimmungen, hat Oskar Ekblad, ein Vertreter der zuständigen Behörde, erklärt.
,,Auswandern ist keine Lösung“
Zuvor hatten Roma-Funktionäre versucht, die zur Ausreise Entschlossenen von ihrem Vorhaben abzuhalten. ,,Auswandern ist keine Lösung“, meint Sándor Csoma, Komitatsvorsitzender der mit dem oppositionellen Fidesz verbündeten Organisation Lungo Drom. ,,Wir müssen schon selbst mit den Problemen fertig werden.“ Viele Beobachter, auch Vertreter der Roma-Minderheit, wunderten sich in der vergangenen Woche, wie es kommt, dass plötzlich Scharen von Roma aus dem Komitat Baranya nach Schweden aufbrechen. Über vorläufig unbekannte Drahtzieher mit finanziellen oder gar politischen Motiven wurde gemutmaßt. Auch János Bogdán, Sprecher und Abgeordneter der Landesselbstverwaltung der Zigeuner (CÖC), hat solche Vermutungen. ,,Aber wir sollten uns vor allem ansehen, weshalb Roma dieses Land verlassen wollen“, sagte er der Budapester Zeitung.
(Quelle: Michael Müller in der Budapester Zeitung vom 27. November 2006)
Aufregung in Malmö: Etwa 250 Roma aus dem südungarischen Komitat Baranya sind in die schwedische Stadt eingereist, 210 haben politisches Asyl beantragt. Über den unmittelbaren Hintergrund der Wanderung gibt es nur Gerüchte. Die gesellschaftlichen Probleme aber, die sie ausgelöst hat, sind alt. Die Ankömmlinge in der südschwedischen Hafenstadt sind unberaten und haben so gut wie keine Chance. EU-Bürgern wird kein politisches Asyl gewährt. Die schwedische Botschaft in Budapest hat erklärt, EU-Bürger dürften sich maximal drei Monate für die Arbeitssuche in Schweden aufhalten, vorausgesetzt, dass sie für ihren Unterhalt selbst sorgen können. Angesichts der neuartigen Situation erwäge die schwedische Regierung Änderungen an den Einwanderungsbestimmungen, hat Oskar Ekblad, ein Vertreter der zuständigen Behörde, erklärt.Zuvor hatten Roma-Funktionäre versucht, die zur Ausreise Entschlossenen von ihrem Vorhaben abzuhalten. ,,Auswandern ist keine Lösung“, meint Sándor Csoma, Komitatsvorsitzender der mit dem oppositionellen Fidesz verbündeten Organisation Lungo Drom. ,,Wir müssen schon selbst mit den Problemen fertig werden.“ Viele Beobachter, auch Vertreter der Roma-Minderheit, wunderten sich in der vergangenen Woche, wie es kommt, dass plötzlich Scharen von Roma aus dem Komitat Baranya nach Schweden aufbrechen. Über vorläufig unbekannte Drahtzieher mit finanziellen oder gar politischen Motiven wurde gemutmaßt. Auch János Bogdán, Sprecher und Abgeordneter der Landesselbstverwaltung der Zigeuner (CÖC), hat solche Vermutungen. ,,Aber wir sollten uns vor allem ansehen, weshalb Roma dieses Land verlassen wollen“, sagte er der Budapester Zeitung. (Quelle: Michael Müller in der Budapester Zeitung vom 27. November 2006)
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Ein Wochenende in Budapest verbrachte ich bereits 1997 im Rahmen eines Schüleraustausches mit Mosonmagyaróvár. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem die Architektur dieser lebendigen und fremden Stadt, das erste das man von einer Hauptstadt und seinem Land wahrnimmt. Deshalb möchte ich mich zunächst auf das Stadtbild konzentrieren.
In den Medien wird oft nur von Stadterneuerung berichtet, der Verfall vollzieht sich nicht vor öffentlichen Augen. Trotz der Teilnahme Ungarns an internationalen Bewegungen des Städtebaus während der kommunistischen Ära, verfielen die in der Gründerzeit mit billiger Bauweise errichteten Häuser in der politischen Entwicklung der Nachkriegszeit. Nach der politischen Wende sah die Mietenreform in Ungarn den Verkauf der Wohnungen an die Mieter vor und schob somit die Verantwortung der Hausrenovierung den privaten Eigentümern zu. Jedoch lief der Privatisierungsprozess nur sehr langsam. Übrig geblieben sind Wohnungen in schlechten Zustand und zum Teil schlechter Lage. Die wohlhabenden Bürger konnten Eigentumswohnungen erwerben, viele begannen außerhalb der Stadt Einfamilienhäuser zu errichten. Jedoch fehlt die Schicht der privaten Hausbesitzer, die Wohnungen vermieten und sich um den Zustand ihrer Häuser kümmern. Während die City ungarischen und zunehmend ausländischen Firmen Büroräume bietet, entstehen in unmittelbarer Nähe Slumgebiete, in denen arme Bevölkerungsschichten in staatlichen Mietwohnungen leben, die zum Teil abbruchsreife Altbauten und Häuser mit sehr schweren Schäden sind.
Die Peripherie werde ich in Budapest auch zu Fuß erreichen und bin sehr gespannt, inwieweit diese Gebiete von europäischen Richtlinien für Städtebau abweichen.
Zum Weiterlesen:
Lichtenberger, Elisabeth; Csefalvay, Zoltán; Paal, Michael: Stadtverfall und Stadterneuerung in Budapest. Vor der politischen Wende und heute. Wien 1994.
Das erste ist ein PDF.
http://www.oeaw.ac.at/mitglieder/lichtenberger/pdf/Budapest_Wien.pdf
http://www.uwe-rada.de/themen/zukunft10.html